Backpacker-Verhaltenstipss für eine Weltreise

Zur besseren Übersichtlichkeit haben wir die Serie “Sicherheit auf Reisen” in 3 Artikel aufgeteilt. In Teil 1 und Teil 2 haben wir Dir Tipps gegeben, mit welcher Ausrüstung bzw. welchen Programmen und Apps Du deine Wertsachen und deine persönlichen Daten gegen Diebstahl und Missbrauch schützen kannst.

Oft bist Du es aber selbst bzw. dein Verhalten, das Dich oder deine Wertsachen in Gefahr bringen kann, sei es aus Unwissenheit, Neugier oder Übermut.

Vergiss dabei nicht, dass Du Dich in einem vollkommen anderen Land, mit anderer Kultur, und Menschen mit anderen Gewohnheiten befindest. Was in Deutschland als normal und akzeptiert gilt, kann in deinem Reiseland unnormal oder gar unhöflich sein und Dich dadurch in Gefahr bringen.

Um solche Situationen erst gar nicht entstehen zu lassen, wollen wir Dir in diesem Artikel 13 grundsätzliche Verhaltenstipps mit auf den Weg geben, wie Du Dich während deiner Weltreise in anderen Ländern verhalten solltest.

#01 – Feiern gehen, Getränke & Alkohol

Abends mit den Locals oder anderen Reisenden bei ein, zwei Bierchen oder einem Cocktail den Tag ausklingen lassen, Geschichten erzählen, neue Freunde kennenlernen – das entspannt, macht Spaß und ist auch gut so. Sobald aus (leicht) angetrunken aber betrunken wird, spätestens dann kann es gefährlich werden. Denn je weniger Du Herr deiner Sinne bist, desto schneller findest Du Dich in der Opferrolle wieder.

Achte deshalb darauf wieviel Du trinkst.

Lieber ein Bier weniger, aber am nächsten Morgen nicht halbnackt und ausgeraubt im Straßengraben – alles schon gehört.

Wenn Du feiern gehst, schließe Dich einer Gruppe an und ziehe nicht alleine los. Das gleiche gilt für den Heimweg. Nachts als Tourist in einer fremden Stadt, und dann auch noch allein – nicht empfehlenswert. Solltest Du doch mal alleine „enden“, dann hol‘ Dir ein Taxi oder verwende ein anderes lokales Transportmittel. Besonders im angetrunkenen Zustand bist Du sonst ein leichtes Opfer.

Wenn Du in einem Club oder einer Bar bist, dann pass auf deine Getränke auf und lass sie auf keinen Fall unbeaufsichtigt stehen. Es kommt immer wieder vor, dass Touristen heimlich Drogen oder KO-Tropfen ins Getränk gemischt werden, und sie sich dann halbnackt und ausgeraubt auf der Straße wiederfinden.

Aus diesem Grund solltest Du darauf achten, dass Du bestellte Getränke entweder in einer verschlossenen Original-Flasche bekommst (z.B. Bier) oder im Fall von Cocktails und Long-Drinks, dass sie vom Barkeeper (vor deinen Augen) gemischt werden.

Nehmt nie bereits geöffnete Getränke von Fremden an – auch wenn der Typ noch so süß ist. Vielleicht steht er doch nicht auf Dich, sondern hat nur deine Wertsachen im Kopf.

#02 – Geld verteilen – suche Dir deine persönlichen Verstecke

Verteile deinen Geldvorrat und hab nie alles Geld an einem Ort. Auch deine Kreditkarten solltest Du separat und nie zusammen mit deinem Bargeld aufbewahren. Sollte nämlich eines deiner Geld- bzw. Kreditkartenverstecke gefunden werden, stehst Du danach nicht komplett ohne da.

Ideale Orte, um dein Geld am Körper zu verstecken sind z.B. Geldgürtel, Bauchtauschen oder kleine Täschchen, die Du Dir in deine Kleidung nähen lässt. Bei Frauen kann außerdem auch ein kleines Täschchen am BH befestigt werden. Im Gepäck (großer und Tagesrucksack) könntest Du dein Geld z.B. in leeren Cremetuben, Büchern, bei der alten Wäsche oder als Frau zwischen den Slipeinlagen verstecken.

Unseren Notgroschen haben wir z.B. immer in Martins Schuh, zwischen Einlage und Schuhsole. Überlege Dir einfach was geeignete Verstecke in deinem Gepäck sind und sei kreativ. Dabei gilt: je ausgefallender, desto sicherer ist dein Geld.

#03 – Auf’s Bauchgefühl hören

Höre auf dein Bauchgefühl. Dieser Tipp klingt vielleicht ein wenig abgedroschen, aber es ist viel Wahrheit dran.

Du bist in einem anderen Land und kannst deshalb oft die Situation, in der Du Dich in dem Moment befindest, nicht rational bewerten. Dabei hilft uns das Bauchgefühl bzw. die Intuition, Situationen im Unterbewusstsein extrem schnell zu erfassen.

Das wird auch in aktuellen Studien nachgewiesen, die darlegen, dass das menschliche Gehirn im Unterbewusstsein tausendmal mehr Informationen verarbeiten kann als im Zustand des bewussten Tuns.

Höre also ruhig auf dein Bauchgefühl, statt eine Pro-Contra Liste zu machen.

#04 – Spiele nicht den Helden

Wenn Du überfallen wirst, dann tu was Dir gesagt wird. Spiele nicht den Helden, indem Du Dich mit deinem Gegenüber anlegst. Du hast keine Ahnung, ob er betrunken, auf Drogen oder verzweifelt und deshalb gewaltbereit ist. Aus diesem Grund lohnt es sich auf keinen Fall deine Gesundheit oder sogar dein Leben für eine Kamera oder ein Smartphone aufs Spiel zu setzen.

Und noch ein Tipp: Auch wenn wir gelernt haben, dass man immer einschreiten soll, wenn anderen Menschen Leid zugefügt wird und nicht wegschauen soll, solltest Du in fremden Ländern besonders aufpassen und Dich durch dein Einschreiten auf keinen Fall selbst in Gefahr bringen.

Bedenke, Du bist in einem fremden Land und es ist für Dich schwer bzw. unmöglich die Situation und die Folgen deines Einschreitens richtig zu beurteilen. Spiele also nicht den Helden, denn deine Weltreise soll schließlich weitergehen.

#05 – Die eigene Ausstrahlung

Versuche selbstsicher aufzutreten. Ratlose Blicke und langes Starren auf den Stadtplan zeigen deine Unsicherheit und machen Dich anfällig für Diebe und Betrüger. Unsicherheit und Angst können auch „lähmen“ – hast Du sicher auch schon im täglichen Leben bemerkt – sodass Du gar nicht mehr klar denken kannst und dann Entscheidungen triffst, die Du im Nachhinein vielleicht lieber nicht getroffen hättest.

In Situationen, in denen Du sprichwörtlich kurz vorm Durchdrehen bist, solltest Du deshalb kurz innehalten und tief durchatmen – das wird alles schon.

Denn an wie viele Situationen während deiner Reise kannst Du Dich denn wirklich erinnern, in denen sich ein großes Problem nicht irgendwie geklärt hat, und zwar im Positiven? – Siehst Du? Hab Vertrauen in Dich selbst!

#06 – Sicherheitskopien von Pässen und wichtigen Dokumenten

Trage möglichst immer nur Kopien deiner Ausweisdokumente mit Dir herum. Sollest Du nämlich deinen Ausweis verlieren oder er Dir gar gestohlen werden, bedeutet das größeren Stress sowie Zeit und womöglich auch Geldverluste. Außer am Flughafen oder an Grenzen wirst Du sowieso in den wenigsten Fällen deinen Reisepass benötigen.

Damit deine Kopien länger halten, kannst Du sie außerdem laminieren lassen, so macht ihnen auch Wasser nichts mehr aus.

Habe deinen Reisepass und alle anderen wichtige Reisedokumente außerdem zusätzlich immer in digitaler und verschlüsselter Form an einem sicheren Ort (siehe Teil 2 | Sicherheit auf Reisen – Datensicherung).

#07 – Keine Wertsachen offen sichtbar tragen

Trage keine Wertsachen offen sichtbar mit Dir herum. Besonders Schmuck, Uhren und teures Kameraequipment zieht Diebe magisch an. Willst Du deine große Spiegelreflexkamera trotzdem mitnehmen, dann trage sie nur sichtbar, wenn Du sie gerade brauchst und verstecke sie für den Rest der Zeit im Rucksack.

Auch (teure) Kameragurte sind für Diebe übrigens kein Hindernis. In Bangkok haben wir einen anderen Backpacker getroffen, dem am Tag zuvor seine Spiegelreflexkamera gestohlen wurde. Zwei Thais auf einem Motorrad hatten ihm im Vorbeifahren von hinten den Kameragurt mit einem Teppichmesser durchgeschnitten und die Kamera mitgenommen. Eine Schnittwunde vom Messer hat er zusätzlich noch mitgetragen.

Alternativ kannst Du Dir auch eine der teureren Kompaktkameras (z.B. Sony RX100* oder Canon G7X*-Reihe) anschauen. Diese sind sehr klein, lassen sich leicht verstecken und stehen zumindest den kleineren Spiegelreflexkameras in Sachen Qualität inzwischen in nichts mehr nach. Natürlich sind sie aber auch nicht ganz billig.

#08 – Respektiere die Menschen und ihre Kultur

Respekt ist ein wichtiges Stichwort auf deiner Weltreise. Vor allem während der Flüchtlingskrise hieß es immer wieder, dass Flüchtlinge sich unserer Kultur und unseren Bräuchen anpassen und diese respektieren müssten.

Auf deiner Reise bist Du nun selbst zu Gast in einem anderen Land und nun gilt dieser Satz für Dich. Das fängt schon an bei der passenden Kleidung. Informiere Dich deshalb im Vorhinein, was „erlaubt“ ist und was ein absolutes „No-Go“ ist.

Tempel in Südostasien darfst Du in der Regel z.B. nur mit schulter- und kniebedeckender Kleidung betreten. In einem streng muslimischen Land solltest Du z.B. während des Ramadans tagsüber nicht öffentlich essen. In Südostasien ist es dagegen äußerst unhöflich, sogar unverschämt jemanden öffentlich zu kritisieren oder gar zur Rede zu stellen und ihn so in seiner Ehre zu kränken. Schluck den Ärger lieber runter und lächle. So bekommst Du dein Anliegen viel eher durchgesetzt.

Versuche generell immer freundlich zu sein und lächle viel (zumindest in Südostasien), dein Gegenüber wird es Dir erwidern und hilft Dir dann sicher gerne weiter.

Lerne außerdem ein paar Worte in der Landesprache. Ein „Bitte“, „Danke“, „Hallo“ und „Auf Wiedersehen“ in der Landessprache ist nicht schwer zu lernen und öffnet oft Türen und Tore.

#09 – Nachts nicht allein

Versuche im Dunkeln nicht alleine draußen unterwegs zu sein. Und wenn doch, dann halte Dich an belebten Orten auf. Nimm also lieber einen Umweg an der belebten Hauptstraße in Kauf, statt die

Abkürzung durch verwinkelte Gassen.

#10 – Geld nur an Bankautomaten von Banken abheben

Versuche generell Geld nur an Bankautomaten abzuheben, die sich in bzw. an einer Bankfiliale befinden. So reduzierst Du das Risiko, dass es sich um einen manipulierten Geldautomaten handelt, der am Ende doch kein Geld ausgibt und noch dazu deine Karteninformationen inklusive PIN ausspäht. Leider kommt das vor allem in Südostasien immer wieder vor.

#11 – Cash statt Kreditkarte

Zwar stellt sich die Frage oft sowieso nicht, da es oft nicht möglich ist mit Kreditkarte zu bezahlen, aber wenn doch, versuche in Bar statt mit Kreditkarte zu bezahlen. Denn oft weißt Du nicht, was mit deiner Kreditkarte passiert, wenn der Hostel- oder Restaurantbesitzer mit deiner Kreditkarte kurz im Hinterzimmer verschwindet. Noch dazu sparst Du Dir die Kreditkartengebühren, die je nach Bank anfallen.

Bargeld am Geldautomaten abheben ist dagegen z.B. bei der DKB*, aber auch anderen Kreditkartenanbietern außer in Thailand, Taiwan, Myanmar und den USA (von diesen Ländern wissen wir es zumindest) meist kostenlos.

Wenn Du außerdem in bar zahlst, bekommst Du ein besseres Gefühl für deine Ausgaben, weil Dir das Geld im wörtlichen Sinne durch die Finger rinnt.

#12 – Helm aufsetzen

Auch wenn er vor allem bei Hitze stört und dazu vielleicht noch ziemlich uncool aussieht, solltest Du beim Roller- und Motorradfahren unbedingt immer einen Helm tragen. Denn die Fahrweise in fremden Ländern unterscheidet sich u.U. extrem von dem was Du aus Deutschland gewohnt bist.

Verkehrsregeln gibt es auf den ersten Blick oft nicht.

Bring Dich also nicht unnötig in Gefahr und zieh den Helm an – kennst Du ja eigentlich auch aus Deutschland.

Außerdem willst Du Dir sicher ersparen von der Polizei angehalten zu werden. Touristen eignen sich nämlich super den privaten Geldbeutel der Polizisten ein bisschen aufzufüllen. In vielen Ländern herrscht außerdem wie in Deutschland Helmpflicht – zumindest offiziell.

#13 – Roller vor dem Ausleihen überprüfen

Wenn Du Dir einen Roller oder ein Motorrad ausleihst, dann check bevor Du losfährst unbedingt den Zustand deines Gefährts. Gehen die Bremsen? Funktionieren die Lichter? Das mag vielleicht übervorsichtig klingen, aber leider ist der Zustand von Rollern und Motorrädern zumindest in Südostasien leider oft sehr mangelhaft. Außerdem erkennst Du so vielleicht Schäden am Roller, die Du gleich melden kannst, damit sie Dir nachher nicht in Rechnung gestellt werden.

Kurze Anekdote: Eine Kommilitonin von Martin hat in China einen Roller mit defekter Bremse und Gaszug ausgeliehen. Während der Fahrt klemmte der Gaszug plötzlich, sodass sie immer schneller wurde, nicht mehr bremsen konnte und dann gegen eine Mauer gefahren und einen Abhang hinuntergefallen ist. Sie hatte Glück. Sie hat mit ein paar Schürfwunden, Prellungen und Knochenbrüchen überlebt – Aber wer sagt, dass Du genauso viel Glück hast?

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